Stell dir vor, es ist Kulturhauptstadt - und alle gehen hin. Oder radeln. Zum größten und schönsten kulturellen Austausch an der längsten Tafel der Welt: dem Still-Leben auf dem Ruhrschnellweg. Über drei Millionen Besucher und Bewohner der Metropole Ruhr feierten am Sonntag (18. Juli 2010) fröhlich und friedlich.
Still-Leben? JA! Der motorisierte Verkehr auf der A 40 stand wirklich still, wo sonst täglich etwa 170000 Autos und Motorräder fahren. Es ist die "Hauptschlagader" des Ruhrgebietes (auch seit Generationen liebevoll "Kohlenpott" oder kurz "Pott" genannt). Früher wurde in dieser Region viel Untertage Kohle abgebaut, wozu auch Menschen aus vielen Regionen Europas und von weiter weg zum Arbeiten herkamen. Sie brachten ihre Bräuche, Kulturen, Nahrungsgewohnheiten und Eigenarten mit. Aus dieser Mischung entwickelte sich der Begriff der Pott.
Nun sind die verbliebenen Fördertürme meist Kultur-Denkmale ohne arbeitstechnische Funktion, Stollen wurden zu besichtigenden Museen. Für viele Kinder und Enkelkinder der ersten Pottarbeiter / Bewohner ist diese Region Heimat. Sie leben und feiern hier. Sie fanden und finden Partner, auch die Nachkommen der "Ureinwohner" , bekommen selbst Kinder und vermischen so alles zu einem wunderbaren genetischen Weltenmisch.
Zum Begriff "Pott" fällt mir ein: Hexenkessel, Räucherschale, die auch Cauldron genannt wird. Und ein "Schmelztigel" der Kulturen ist es wirklich. Jedoch hat gerade in den letzten Jahrzehnten das sog. Ruhrgebiet - der Pott - einen sehr positiven Strukturwandel erlebt. Rauchende Schornsteine und große Mammutfirmen muss man schon suchen. Das Bild ist geprägt von Grünanlagen, Parks, weitläufigen Wäldern, Burgen, Schlössern und Feldern (siehe Video!) und strahlend blauem Himmel. Innovationen und umweltverträgliche Technologien, Konstruktion erneuerbarer Energien bestimmen das Bild des modernen Ruhrgebietes (NRW). Und eben sehr viele Grünflächen.
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Das Fest auf der A 40, das eines der Höhepunkte im Kulturhauptstadt-Jahr 2010 war, hatte nach Veranstalterangaben am Sonntag zwischen 11.00 und 17.00 Uhr mehr als drei Millionen Besucher angelockt. Die Autobahn A 40 wurde zu diesem Zweck auf einer Länge von 60 Kilometern voll gesperrt (von Duisburg bis Dortmund).
Bei der Aktion "Still-Leben" waren auf der A 40 zwischen Duisburg und Dortmund rund 20 000 Tische aufgebaut, an denen u.a. kulturelle Darbietungen wie Lesungen und Musik geboten wurden. Die Tische waren auf der Fahrbahn von Dortmund nach Duisburg aufgestellt, auf der Gegenfahrbahn konnten die Gäste die Strecke zum Beispiel mit Fahrrädern, Party-Bikes oder Inline-Skates abfahren und die kulturellen Vorführungen verfolgen. Ein weltweit einmaliges Event !!!
Wir, die Hexen / Hexer aus dem Pott, waren dabei, wie man sieht!
Luisa (Inhaberin des über NRW hinaus bekannten Hexenladens ELDEMALU in Duisburg) hatte zwei Tische und Sitzreihen für das Event auf der für den Tag stundenlang gesperrten A 40 angemietet. Viele Verwandte und Freunde waren dabei.
Ob uns in den langen Hexenroben und "Spitzhüten" (Spitzhut? Echt? So etwas besitze ich nicht einmal!) nicht warm war an diesem heissen Tag? Oh nein! Die hatten wir mal schön zu Hause gelassen. Bestimmte Roben werden zu Ehren besonderer Feste / Rituale getragen, um uns ganz bewusst vom üblichen Alltag auch optisch abzugrenzen. Vergleichbar: wer sieht einen christlichen Geistlichen im langen Talar im Supermarkt an der Kasse stehen? Die Vorstellung ist eher witzig, nicht wahr? Eben! ;-) So hat eben jede Tradition oder Religion ihre Besonderheiten. Mit dem Hexentum verhält es sich nicht anders, wenn man es ernsthaft lebt.
Nachstehend ein kleines Video von "unserem Tag" auf der A 40 - wie wir es erlebten.